In Japan essen zu gehen ist ein Highlight jeder Reise – wenn man die ungeschriebenen Regeln kennt. Wir zeigen dir, wie du Fettnäpfchen vermeidest und den Besuch genießt.
Der erste Besuch in einem japanischen Restaurant kann sich wie der Einzug in eine fremde Welt anfühlen. Überall duftet es nach Dashi und Sojasauce, das Personal grüßt lautstark mit Irasshaimase und plötzlich steht man vor der Frage: Muss ich meine Schuhe ausziehen? Japan hat eine sehr spezifische Esskultur, die zwar viele Regeln kennt, aber mit ein wenig Vorbereitung absolut stressfrei ist. In diesem Guide erfährst du alles, was du für deinen ersten Restaurantbesuch wissen musst.
Den richtigen Platz finden: Schuhe und Sitzarten
Schon am Eingang wird oft entschieden, wie der Abend verläuft. In westlich orientierten Restaurants oder modernen Ramen-Bars behältst du deine Schuhe an. Wenn du jedoch ein traditionelles Izakaya oder ein gehobenes Restaurant betrittst, achte auf die Stufe am Eingang. Stehen dort Hausschuhe bereit, ist das dein Zeichen: Straßenschuhe aus, Socken anbehalten. Es gibt oft Schließfächer für dein Schuhwerk.
Beim Sitzen hast du meist die Wahl zwischen dem Tresen, westlichen Tischen oder Tatami-Plätzen. Auf Tatami-Matten sitzt man klassischerweise auf Kissen an niedrigen Tischen. Für Ungeübte kann das lange Verweilen im Kniesitz oder im Schneidersitz anstrengend werden. Keine Sorge: Es ist völlig okay, die Beine unter dem Tisch auszustrecken, solange es ein Horigotatsu ist – das ist ein Tisch mit einer Vertiefung im Boden für deine Füße.
Bestellen wie ein Profi: Buttons, Tablets und Automaten
Japanische Restaurants nutzen oft Technik, um den Service zu beschleunigen. In günstigen Ramen-Läden findest du oft einen Ticketautomaten direkt am Eingang oder sogar draußen. Du wählst dein Gericht, bezahlst am Automaten und gibst das Ticket dem Koch. In moderneren Izakayas liegen oft Tablets auf dem Tisch, auf denen du per Klick bestellst. Das ist besonders für Reisende praktisch, da diese meist eine englische Sprachoption haben.
Wenn es keine Technik gibt, rufst du die Bedienung einfach mit einem beherzten Sumimasen (Entschuldigung). In Japan ist es nicht unhöflich, laut nach dem Personal zu rufen – im Gegenteil: Da die Kellner meist diskret im Hintergrund bleiben, warten sie förmlich auf dein Signal. Viele Tische haben dafür auch einen kleinen Klingelknopf.
Das Geheimnis des Otoshi: Das Gedeckgeld
Vielleicht wunderst du dich, wenn dir in einem Izakaya ungefragt eine kleine Schale mit einer Vorspeise, zum Beispiel Edamame oder Coleslaw, serviert wird. Das ist das sogenannte Otoshi. Es fungiert als eine Art Gedeckgebühr oder Platzgebühr und kostet meist zwischen 300 und 500 Yen pro Person. Es ist in Japan Standard und gehört zum guten Ton, es nicht abzulehnen. Betrachte es als kleinen Gruß aus der Küche, der dir die Wartezeit auf die Hauptgerichte verkürzt.
Richtig essen: Stäbchen-Etikette und Tischmanieren
Beim Essen selbst gibt es ein paar Fettnäpfchen, die du leicht umgehen kannst. Das Wichtigste betrifft die Stäbchen: Stecke sie niemals senkrecht in eine Schüssel mit Reis. Dies erinnert an Bestattungsrituale und gilt als schlechtes Omen. Auch das Weitergeben von Essen von Stäbchen zu Stäbchen ist tabu. Wenn du jemandem etwas von deinem Teller geben möchtest, leg es direkt auf dessen kleinen Beistellteller.
